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See you in Motala

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oder: Die Geschichte von Blaubeersuppe und Thomas seinen genialen Trainingsplänen

Vätternrundan – einmal um den Vätternsee. Das wollten wir natürlich immer schon mal machen. Es waren nicht die 300 km die mit dem Rad zu fahren waren, sondern „Terminprobleme“, die uns bisher davon abhielten teilzunehmen. Doch dieses Jahr sollte das weltgrößte Jedermannrennen nicht mehr ohne die VffLer auskommen müssen. Für die Bereicherung dieser Veranstaltung opferten Thomas und ich uns.

 Um noch zwei der begehrten Startplätze zu bekommen, meldeten wir uns bereits im September vergangenen Jahres an. Es begann umgehend die harte und entbehrungsreiche Zeit des Trainings. Hierzu erarbeitete Thomas eigens einen ausgeklügelten Trainingplan, der mich zunächst allerdings nicht ganz überzeugte. Ich fuhr also etwa 500 Trainingskilometer mehr als es der Plan vorsah. Thomas hingegen hielt sich strikt an den Trainingsplan und fuhr nur in Bolsward unsere bekannte Fietseelfstedentocht mit 240 km. Alles in allem war der Trainingsplan somit sehr überschaubar….

Nun war es endlich soweit: Die große Fahrt nach Schweden stand an. Zelte, Räder und Kaltgetränke aus Bayreuth in Gebindegrößen von 500 ml waren im Kangoo verstaut und los ging die Reise.

Während unserer 14 stündigen Anreise mussten noch verschiedene Hürden genommen werden. So wussten wir zwar, das es irgendwann zwischendurch mit dem Schiff weitergeht, wussten aber nicht wie teuer das Ganze ist. So wurden wir bereits an der ersten Fähre von Puttgarden nach Rödby um einen Großteil unseres Euroguthabens beraubt. Den Rest nahm man uns auf einer weiteren Überfahrt von Dänemark nach Schweden ab. Bargeldlos durchquerten wir die einsame schwedische Wildnis, um dann in einer namenlosen Stadt unser daheim gebliebenes Girokonto mit schwedischen Kronen zu belasten.

Schließlich kamen wir nach unendlich scheinenden Autobahnkilometern in Motala an. Dort steuerten wir dann relativ zielstrebig (wir haben uns einmal verfahren) den von Kumpel Holgi für uns auserwählten Campingplatz an. Im Laufe des Abends und der darauf folgenden Tage haben wir die Definition „Campingplatz“ mehrmals erörtert……Jedenfalls suchten wir uns einen sehr schönen Zeltplatz etwa 5m vom Ufer des Vätternsees aus. Unmittelbare Nachbarn waren ein Kollege aus Hamburg mit seinem Tipi und ein zunächst verwaistes Tunnelzelt. Später stellte sich heraus, das es sich bei den Bewohnern um klassische vier blonde Schwedinnen handelte.

Den darauf folgenden Ruhetag verbrachten wir zunächst in Motala mit dem klassischen „Sightseeing“, dem Besuch der Radmesse – in Gedanken waren wir bei Klaus H. aus H. – und natürlich dem Abholen unsere VIP Startunterlagen. Im Anschluss ging es zum Campingplatz, wo dann die letzten Vorbereitungen für die große Fahrt anstanden, schließlich ging es am nächsten Tag um 1.10 Uhr los. Pünktlich um Mitternacht ging dann auch der Wecker. Aufstehen und – Gott sei Dank – kein Regen, nur stürmischer Wind! Abfahrt zum Startbereich gegen halb eins. Da der erste Start bereits am Vorabend um 20.00 Uhr losging, waren wir nicht die Ersten. Alle zwei Minuten waren seitdem jeweils 50 Leute auf die Piste gebracht worden. So starteten wir auch um Punkt 1.10 Uhr in die schwedische doch sehr dunkle Mittsommernacht. Auf dem Tacho war nichts zu sehen, also nach Gefühl, gutes Gefühl soweit, auch gute Gruppe, nur den Asphalt konnte man auch nicht sehen – Gottvertrauen eben.

Alles lief soweit gut. Thomas musste mich zwischendurch bremsen, so ließen wir zwischen Kilometer 80 und 90 das Pärchen vor uns weiter die Arbeit in den Wind machen, arme Schweine – Danke dafür!

Nach 100 km Frühstück in Jönköping. Ein Baustoffhändler hatte Erbarmen mit 22.000 Radfahrern und wir konnten uns bei beginnendem Nieselregen in seiner Halle stärken. Was gab es? Klar, Köttbulla mit Preiselbeeren und sauren Gurken – was für eine Mischung. Egal, rein damit. Während andere Fahrer ein Nickerchen machten, sorgten wir uns um unsere Platzierung. Also, es sollte weitergehen. Doch mittlerweile regnete es in Strömen – und wie! – und kein Ende in Sicht! Was soll’s, wir waren für alles gewappnet. Die guten Beekmann Müllsäcke des Landkreises Aurich wurden kurzerhand in nette passgenaue Regenkleidchen umgeschneidert und los ging’s.

Strömender Regen, Ortdurchfahrt Jönköping, vermeintlich gute Gruppe, 50 km/h. Schön, wahnsinnig und nicht zu halten. Dann setzen die ersten Zweifel an der ganzen Veranstaltung ein. Thomas versucht das ganze durch eine Kaffeepause erträglich zu machen. Ich hingegen setzte meine Fahrt zur Mittagsstation fort. Drei Stunden Fahrt durch strömendem Regen, wozu der Müllsack? In Hjo angekommen sind 175 km geschafft.

 

Triefend nass stand ich vor dem Verpflegungszelt und konnte meinen Kaffeebecher kaum halten. Noch nie so gefroren – alle froren, alle zitterten. Weitere Zweifel schlugen allmählich in die Gewissheit um, das es so nicht zu schaffen ist. Aber was nun machen auf der anderen Seite des Vätternsees? 125 km vom warmen Zelt entfernt? Da plötzlich tauchte Thomas auf, auch er sah aus, als wenn der die Abkürzung durch den See genommen hatte (ein alter Triathlet eben…) Auch sein Wärmehaushalt schien nicht mehr so ganz in Ordnung zu sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Thomas aber eine seiner genialen Ideen, die die ganze Mission doch noch retten kann: „ Wir müssen in die Wärme!“ Toll, und wo sollte die sein? „Da, in die Halle, da sind viele Menschen, da stellen wir uns mitten rein!“ So etwa stellte ich mir Hähnchenmast im Endstadium vor; es half aber. Irgendwer hatte dann Erbarmen mit uns und verteilte stabile schwarze Müllsäcke (Beekmann gibt’s da ja auch nicht). Hier kamen mir dann wieder meine Handarbeitsfähigkeiten die ich bei Frau Decker an der Grundschule Hage erlernte zugute.

Die erfrorenen Hirnzellen hatten Probleme das achtlos liegengelassene Rad wieder zu finden, doch es gelang und weiter ging die Reise. Der Regen hörte auf. Auf dem Rad sitzend, ging es wieder, die Wärme kam zurück. Und auch der Hunger. Die Lasagne stand nicht im Mittelpunkt des letztes Haltes. An der nächsten Station in Karlsborg also zwingend Pause. Vier Milchbrötchen, vier Blaubeersuppen ein Kaffee und div. Saure Gurken und weiter ging’s. Die Stimmung stieg und die Lust kam zurück. Es waren bloß noch 93 km.

Die Gruppen rauschten an mir vorbei. Jetzt hieß es nur noch auf die Passende zu warten und dranhängen. Es lief super! Noch einen letzten Stopp in Hammarsundet. Blaubeersuppe und Milchbrötchen hingen mir buchstäblich zum Hals heraus. Ich stieg um auf Bananen, sind auch immer gut. Bananen und Kaffe also, auch ‚ne interessante Kombination…. Schließlich noch den Müllbeutel ausziehen, man dachte ja schon an den Zieleinlauf. Da würde mich bestimmt jemand fotografieren.

Die Euphorie stieg, es waren nur noch 40 km. 40 km Genussfahrt, die Gruppen passen, die Sonne war da, traumhafte Landschaft, alles passte. Schließlich kam ich nach 12 Stunden 24 Minuten in’s Ziel und wurde frenetisch gefeiert – natürlich nicht ich alleine… Vergessen waren in diesem Moment alle Strapazen und Grenzerfahrungnen, die mein Körper in den letzten 12 Stunden über sich hat ergehen lassen müssen. Wir hatten es geschafft. Der Vätternsee war geschafft!

Thomas kam dank zahlreicher Kaffeepausen und seiner exzellenten Trainingsvorbereitung `ne gute Stunde später an. Wir freuten uns gemeinsam. Nach Kartoffelsalat und Geflügel im Zielbereich geht’s dann kaputt wie wir sind zum Campingplatz. Nach einer kalten Dusche unter freiem Himmel inmitten eines Kiefernwaldes kümmerten wir uns um die im Vätternsee eingelagerten Kaltgetränke… Zur Schande unserer VffL Grundprinzipien brach unser Leistungsniveau hier allerdings drastisch ein. Wir gingen früh schlafen.

Am nächsten Morgen lichtete sich der Campingplatz rasch; die 4 Schwedinnen und auch unser Kollege aus Hamburg reisten ab . So hieß es auch für uns Abschied von Motala und es begann die Rückreise, zusammen mit Bayreuther Kaltgetränken. Gegen Abend kamen wir auf Fehmarn an, wo wir in der Ortschaft Burg eine Zwischenübernachtung einlegten. Schließlich war Fußball (Deutschland – Dänemark). Thomas hatte Bedenken, das dies der schlimmste Abend dieses Jahres für mich werden könnte, aber es war erträglich für mich. Alles in Allem war es sogar ganz nett. Public Viewing in super Atmosphäre, lecker Essen und Trinken; ganz nebenbei haben wir uns auch noch gefeiert.

Erwähnt werden sollte auch noch unser Besuch bei Mopsy nach dem Fußballspiel. Die gleichnamige Lokalität bestach durch ihr rustikal gemütliches Ambiente. Ein Fall für uns. Der greise Hilfszapfer entpuppte sich im weiteren Verlauf des Abends als Inhaber. Sein Name: Natürlich, Mopsy. Als wir uns als gestrandete Ostfriesen und nicht als normale „Touris“ zu erkennen gaben, war das Eis gebrochen. Mopsys Begeisterung für eine Umrundung des Vätternsees mit dem Rad hielt sich in Grenzen. Er schwärmte hingegen von seinen Elchjagden und führte uns in die Grundlagen der Kneipenwirtschaft ein („Angeschrieben wird hier nicht….“, das betraf nicht uns, wir hatten unseren Eurobestand an einer Außenstelle der RVB Fresena in Burg wieder auffüllen können). Nicht unerwähnt soll auch der wohl vor nicht all zu langer Zeit dort gestrandete Koch sein. Ein wahrer Smutje, dem der Skorbut auf hoher See tüchtig zugesetzt hatte.

Erschöpft, erholt und begeistert von unserem Abenteuer werden wir am nächsten Morgen vom Kangoo in Richtung Heimat gefahren - See you in Motala!

 

   

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